Superyachten – und warum sie Romanstoff sind

2015, auf dem Rückweg von einem Urlaub mit Lothar, fiel mir ein merkwürdiges Schiff auf.

 

Die Nautilus von Käpt’n Nemo? Ich  zoomte näher. Wie aufregend – was würde der Tag noch bringen?

 

Der Tag brachte tausend Kilometer Autobahn. Irgendwann machten wir Halt, schliefen, fuhren weiter, und ich haderte mit meinem langweiligen Schicksal.

Wenigstens blieb ich dran. Ich fand heraus, dass dieses u-boot-artige Ding aus dem Jahr 1899 die Yacht des Oligarchen Andreij Melnitschenko war – ein Industriemagnat aus Russland – und auf den Namen A hörte.

Ich bewunderte Melnitschenko, der sich sowas leisten konnte und genauso alt wie ich war (beinahe hätte ich dieses Jahr gleichgezogen und wäre auch Schiffsbesitzer geworden, die Länge meines Objekts der Begierde: 11 Meter). Aber bald sah ich auch, dass solche Yachten im Prinzip zum Defilieren vor der Côte d’Azur oder der Costa Smeralda gedacht sind. Es geht ums Auffallen, um den Luxus. Auch die A gehört  dazu.

Sie ist  ein Triumph des Superyachtbaus: Außergewöhnliches Design, teuer, dekadent; sie ist mit 119 Metern die dreiundreißiggrößte Superyacht der Welt. Sie wurde in Deutschland gebaut – die deutsche Werftindustrie ist führend im Bau großer Megayachten. Als Steampunkfan hat mich die konkave bzw.  inverse Bugform  fasziniert, ein Desgin, das Ende des 19. Jahrhunderts modern gewesen war. Damals diente dieser Bug Kriegsfahrzeugen als Rammsporn, hatte aber auch stabiliserende Eigenschaften.

Motoryacht A
CC BY-SA 3.0 – Matthias Kabel, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/#ref-appropriate-credit, https://de.wikipedia.org/wiki/A_(Schiff)#/media/Datei:A_(ship)_at_Sorrent_2012_3.jpg

Das bekanntere Schwesterschiff  der A ist die SY (für Sailing Yacht) A und mit 143 Metern die größte Segelyacht der Welt. Sie wurde auch in Deutschland gebaut und ist meiner Ansicht nach potthässlich.

CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/, KarleHorn&Waldi, https://de.wikipedia.org/wiki/SY_A#/media/Datei:White_Pearl_A_Seite.JPG

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 liegt die SY A in Triest fest, weil Eigner Melnitschenko flott auf eine der ersten Sanktionslisten der EU landete. Was für eine Rolle er in Russland spielt ist nicht leicht ersichtlich. Über ihn gibt’s wenig Schlagzeilen, er ist kein Roman Abramowitsch. (Und genau dies ist so bezeichnend für die Branche: Wir wissen eigentlich gar nicht genau, wer der Mann ist, der die größte Segelyacht der Welt besitzt). Laut EU-Gerichten gehört Melnitschenko zum erweiterten Dunstkreis von Putin, er selbst streitet das ab. Begeistert kann er als halber Ukrainer vom russischen Angriffskrieg nicht sein, andererseits hat er im Russland der 90ern und 00er Jahre sein Vermögen  gemacht und wird kaum ein Waisenknabe gewesen sein. Wer da keinen Dreck am Stecken hat, ist arm geblieben.

Verschwunden ist zur Zeit die ‚Nautilus‘, die Motoryacht A. Normalerweise können Schiffe auf Seiten wie vesselfinder.com getrackt werden, allerdings nur, wenn der Schiffstransponder, das sogenannte AIS, sendet. Vor etwa einem Monat, auf dem Weg ins arabische Meer, wurde aber das AIS der Yacht aber offensichtlich abgeschaltet. Meine Hypthese: die A lief aus Dubai aus – laut deutscher Wikipedia der Wohnort Melnitschenkos –, durchkurvte die Straße von Hormus, (eins der meist befahrensten Nadelöhre der Welt und gefährlich wegen der Nähe zu Iran ) und schaltete dann, als sie freies Gewässer erreichte und die Navigation einfacher wurde,  das AIS ab, um unauffällig zu bleiben.  Laut der Schiffstracker-Seite (Stand Anfang Januar 2026) befand sich die A auf dem Weg nach Kanada.

Aber wer weiß das schon so genau.

Die Welt der Superyachten und ihrer Eigner ist intransparent, klandestin und oft dubios, die unglaubliche Anhäufung von Reichtum und Luxus faszinierend und problematisch zugleich. Sie ist aber auch eine Welt, die Menschen anzieht wie Motten das Licht.

Und genau diese Gemengelage ist der Grundstein für meinen Roman, der 2026 erscheinen wird.

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