Tragödien auf See: Der Untergang der Bayesian 2024

Die Luxus-Segelyacht Bayesian gehörte dem britischen Tech-Unternehmer Mike Lynch (offiziell seiner Frau, aus Gründen).

Sfischer – CC BY-SA 4.0

Lynch hatte soeben einen wichtigen Prozess gewonnen und wollte dies mit Familie, Freunden und Partnern feiern. Die Bayesian kreuzte deshalb im Mittelmeer. In der Nacht zum 19. August 2024 lag sie vor einem kleinen Hafen bei Palermo.

Es kam Sturm auf. Manch Mittelmeer-Touristen haben diese typischen, halb tropischen Gewitter erlebt, ich auch: Wolken hängen immer tiefer, verdunkeln sich, plötzlich weht es wie verrückt, es schüttet in Strömen und nach einer Stunde ist der Spuk vorbei. Der deutsche Kapitän Karsten Börner, dessen Segelschiff neben der Bayesian lag, beschrieb solch einen kurzen Sturm, allerdings sei er außergewöhnlich stark gewesen, er hätte kurzzeitig hurrikanartige Ausmaße angenommen, Börner habe sogar einen Tornado auf dem Meer beobachtet.  Symbolbild:

Giant_Waterspout_Filmed_by_RAF_Search_and_Rescue_Crew_MOD_45152038

Als der Wind immer stärker wurde, hielt der Anker der Bayesian nicht mehr, das Schiff driftete ab. Plötzlich legte es sich auf die Seite, kenterte es und sank einige Minuten später. Mike Lynch, seine Tochter, vier Gäste und und der Schiffskoch schafften es nicht raus. Fünfzehn Menschen, darunter Lynchs Frau, wurden gerettet.  In diesem Video gibt es ein paar verschowmmene Aufnahmen des Moments:

Wenn reiche Menschen Tragödien treffen, schlagen die Wellen in den Medien hoch und in diesem Fall war der Schock besonders groß, weil solch ein Ereignis eigentlich undenkbar schien.  Sind moderne Schiffe heutzutage nicht unsinkbar?

Offensichtlich nicht. Als unsinkbar galt übrigens schon die Titanic.

Die Suche nach Erklärungen fasziniert: War die Bayesian unglückliches Opfer eines außergewöhnlichen Sturms oder gab es konstruktionsbedingte Mängel, die die Stabilität des Schiffes beeinträchtigten? War die Crew schuld und hat nicht adäquat auf den Sturm reagiert? Ein vorläufiger Bericht zum Unfall befand, dass es tatsächlich Konstruktions-Mängel gegeben habe und die Crew nicht ausreichen darüber  informiert gewesen sei.

Mittlerweile ist das Wrack gehoben worden, was übrigens ein weiteres Todesopfer forderte. Ein Bergungstaucher kam ums Leben.

(Ein Yacht Report-Video:)

Es stellt sich die Frage, ob der Mast des Schiffes ein grundsätzliches problembehaftet war: Er war deutlich höher als das Schiff lang (der zweithöchste Segelmast der Welt laut Wikipedia), und macht womöglich die Yacht toplastig, besonders, wenn das Gegenwicht des Kiels nicht ausgefahren war, wie zum Zeitpunkt des Sinkens. Crewmitglieder sagten aus, der riesige und schwere Mast habe in der Tat zum Kentern beigetragen.  Aber waren auch alle Luken dicht? Und, warum hat eigentlich Kapitän Börner auf der Segelyacht nebenan früh reagiert und seine Maschine gestartet um den Sturm abzuwettern, während der Captain der Bayesian erst geweckt werden musste? Fragen über Fragen und noch ohne endgültige Antworten. Katastrophen setzen sich aus vielen kleinen Ursachen zusammen.

Der Konzern, dem die Werft gehört, auf dem die Yacht gebaut wurde, hat jedenfalls soeben (Januar 2026) Witwe und Eigentümerin der Yacht verklagt. Konzernchef Giovanni Costantino steht wohl dahinter. Sein Argument: Menschliches Versagen ist schuld am Untergang – das Schiff selbst sei unsinkbar gewesen – und aufgrund des Imageschadens habe man Aufträge und damit extrem viel Geld verloren.

Der ausgewogen und hervorragend berichtende Youtube-Channel „The Yacht Report“ stellte zurecht die Frage, ob der Konzern sich mit der Klage nicht ins eigene Bein schießt:

Es jedenfalls herzlos, die Witwe, Angela Bacares,  zu verklagen, die sowieso schon gestraft genug ist. Sie wird erst einmal keine Ruhe finden. Es zeichnet sich ein Folgedrama vor Gericht ab. Die Tragödie der Bayesian ist nicht vorbei.

 

Mein Roman über die abenteuerliche Fahrt einer Superyacht erscheint 2026.

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